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Quelle: Annette Wohlfeil

Einweihung

Renchen’s Ökumene begann mit der Einweihung der Evangelischen Kirche 1873.

Alfred Herrmann beschreibt dieses außerordentliche Ereignis in seinem Artikel „Was das Kirchlein erlebte“ 1998 für die Festschrift zum 125jährigen Bestehen der Evangelischen Kirche in Renchen:
„Das Hanauerland ist evangelisch, Renchen ist streng katholisch. Als die ersten Evangelischen nach Renchen kommen, sind sie nicht sonderlich willkommen. In der Schule werden die Kinder gehänselt und verspottet, in den Mischehen ergeben sich häufig Schwierigkeiten, weil sich die katholischen Verwandten einmischen.
Trotz allem findet 1861 der erste evangelische Gottesdienst statt. Es gibt keine evangelische Kirche, so ist die kleine Gemeinschaft auf Privathäuser angewiesen, die angekauft und wegen der Unzulänglichkeit wieder verkauft wurden. Gelegentliche Gottesdienste hielten Geistliche aus den umliegenden Gemeinden.
Der Glaube schweißt die Evangelischen zusammen und mit Mut und Tatkraft kämpfen sie um ein eigenes Gotteshaus. Inzwischen ist die Gemeinde auf etwa 150 Männer, Frauen und Kinder angewachsen.

Und es gelingt!
1872 kann mit dem Bau eines bescheidenen Bethauses begonnen werden, das sogar ein kleines Türmchen auf dem Dach besitzt. Dann kommt der unvergessliche Tag: Am 19. März 1873 kann die Einweihung erfolgen. Und es wird ein großer Tag. – In Renchen muss damals ein äußerst kluger katholischer Pfarrer tätig gewesen sein, der in christlichem Geist bemüht war, die Menschen beider Konfessionen zum friedlichen Miteinander zusammen zu führen.

Und so verlief der Tag:
Für die Katholiken war es ein Feiertag (Josefstag) Der katholische Pfarrer verlegte seine Messfeier auf eine Stunde früher, damit die Katholiken an der Einweihung des evangelischen Bethauses teilnehmen konnten. Pünktlich um 10 Uhr erscholl das volle Geläut der katholischen Kirche, und vom Rathaus aus bewegte sich der Zug mit Geistlichen, Bürgermeistern und Kirchenvorständen in Richtung neues Bethaus. Außerdem versammelten sich im Zug der ganze katholische Pfarrgemeinderat und viele katholische Bürger. Das Kirchlein konnte die vielen Gäste nicht fassen. An der Gestaltung des Festgottesdienstes beteiligte sich auch der katholische Kirchenchor, so dass es eine erhebende Feier wurde.
Nun hatten die Evangelischen ihr eigenes Bethaus, in dem die gut besuchten Gottesdienste abgehalten werden konnten. Wenngleich auch das Fehlen eines ortsansässigen Pfarrers die Anzahl der Gottesdienste aufs Nötigste beschränkte.
Aber das eigene Gotteshaus war die Triebfeder für weiteres Gestalten. Zwar gab es noch keine Glocke, kein Harmonium und noch nicht einmal einen Ofen, dafür aber einen Berg Schulden. „Wenn die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten.“
Spenden aus Gemeinden im Hanauerland und sogar vom Frauenverein der Gustav-Adolf-Stiftung in Pforzheim brachten immer wieder Lichtblicke. Mit der Glocke ging es am schnellsten. Seine königliche Hoheit, der Großherzog, stiftete dafür Kanonenmetall. Ofen und Harmonium wurden in der Folgezeit auch noch erworben und so ging es mit Höhen und Tiefen durch die Jahre. Aber immer wieder aufwärts....