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Quelle: Annette Wohlfeil

Unsere Kirche

„Vom Bethaus zur Kirche“
Eine kleine Baugeschichte unserer Kirche

Wir befinden uns etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Das Hanauerland ist evangelisch, Renchen, knapp 20 km östlich, Richtung Schwarzwald gelegen, ist streng katholisch. Als die ersten Evangelischen nach Renchen kommen, sind sie nicht sonderlich willkommen. In der Schule werden die Kinder gehänselt und verspottet, in den Mischehen ergeben sich häufig Schwierigkeiten, weil sich die katholischen Verwandten einmischen.

Im Januar 1861 wird der Pfarrer von Bühl verpflichtet, in Renchen Gottesdienste zu halten. Da es jedoch weder Kirche noch einen Raum gab, musste erst einmal ein geeigneter Raum gefunden werden. Ein Jahr später konnte im 2. Stockwerk eines Hauses an der Hauptstraße ein Raum angemietet werden. Doch bereits 1866 musste sich die Gemeinde auf eine neue Suche begeben, da der Eigentümer Eigenbedarf anmeldete.

Quelle: Kirchengemeinde Renchen
Im November 1866 wurde mit Zustimmung des  Evangelischen Oberkirchenrates das zweistöckige Haus in der Hauptstr. 37 für 1.800 fl. (holländische Gulden) käuflich erworben. Knapp vier Jahre später stellte der Oberkirchenrat jedoch fest, dass das Haus für kirchliche Zwecke nicht geeignet sei. Es wurde deshalb für 2000 fl. wieder verkauft.

1871 schenkte die politische Gemeinde Renchen der evangelischen Gemeinde zunächst ein Grundstück Dann stellte sie aber Bedingungen: Das Grundstück sollte nicht in das Eigentum der Gemeinde übergehen. Damit war die Evangelische Gemeinde nicht einverstanden und suchte weiter.
Noch im selben Jahr wurden sie fündig. Das heutige Gelände wurde für 370 fl. erworben. Die politische Gemeinde schenkte zu diesem Kauf 200 fl.
Schon am 10. April 1871 erfolgte die Ausschreibung der Bauarbeiten. Geplant war eine Kapelle mit 91 Sitzplätzen. Das Dach der kleinen Kirche wurde so geplant, dass später ein Glockentürmchen aufgesetzt werden konnte. Gerade eben ist das Deutsche Kaiserreich zwei Jahre alt, da
Quelle: Kirchengemeinde Renchen
wird in Renchen die neuerbaute Kirche am 19. März 1873 unter Mitwirkung des katholischen Kirchenchores eingeweiht.
Der katholische Pfarrer verlegte seine Messfeier auf eine Stunde früher, damit die Katholiken an der Einweihung des evangelischen Bethauses teilnehmen konnten. Im eigentlichen Renchen leben zu diesem Zeitpunkt etwa 2100 Menschen. Davon sind 84 evangelisch, also gerade mal 4 % der gesamten Bevölkerung.

Im Sept.1873 war auch der Glockenstuhl fertig, und der Großherzog von Baden stellte drei Zentner Metall (Kanonenguss) für die zu gießende Glocke zur Verfügung. Die Gemeinde hatte jetzt eine eigene Kirche mit Glockentürmchen, aber es handelte sich dabei nur um eine „Sommerkirche“, denn sie hatte keine Heizung. In der Zeit von Herbst 1887 bis 1904 wurden nacheinander 4 Öfen angeschafft, um die Kirche im Winter zu heizen.
1907 wurde das schadhafte Dachreitertürmchen abgerissen und durch einen neuen Turm über dem Giebel der Kirche ersetzt. Nach einem Platzregen im Sommer 1907 war das Dach so undicht, dass das Regenwasser über Fenster und Wände herunter lief. In den Jahren 1913/14 wurde ein neuer stärkerer Fußboden in der Kirche verlegt. Zwei Jahre später folgte die Verschalung des Kirchenschiffs. Dank der Hilfe des Gustav-Adolf-Werkes konnten diese Kosten abgedeckt werden.
Erst nach dem Ersten Weltkrieg, im März 1919, konnte das neben der Kirche gelegene Wohnhaus käuflich erworben und als Pfarrhaus eingerichtet werden. Schon im Sommer 1921 mussten die Balken des 1907 errichteten Turmes erneuert werden, und 1927 erfolgte dann die Installation der lang ersehnten elektrischen Beleuchtung. Bereits 1929 befand sich die Kirche "nach allgemeiner Auffassung seit 20 Jahren in einem unwürdigen Zustand". 

Quelle: Kirchengemeinde Renchen
Der Kirchenvorstand griff auf Pläne zurück, die bereits 1906/07 vorlagen. Trotz Einwände des Oberkirchenrates setzte sich der damals jugendliche Pfarrer mit seinem Berater durch. Dieses frisch-fröhliche Handeln animierte weite Kreise zu einer unerwarteten Spendenfreudigkeit, so dass sogar am 14.Juli 1929 vom Oberkirchenrat eine „Landeskirchensammlung“ für die Wiederherstellung des Gotteshauses in Renchen angeordnet wurde.
Der obere Turmteil wurde entfernt und in seine heutige Gestalt gebracht. Eine neue Kanzel und ein neuer Altar wurden eingebaut. Die Neugestaltung des Innenraumes wurde von Bildhauer Furtwängler in Freiburg vorgenommen. In diesem Zusammenhang bekam die Kirche eine sog. Luftheizung. Bereits 1954 meldeten sich die alten baulichen Probleme wieder: Das undichte Kirchendach und die Kirchenheizung. Man suchte daher Hilfe beim Bauamt des Evangelischen Oberkirchenrates in Karlsruhe. Und so kam es zu einem Sachverständigenurteil über die Kirche am 11.August 1955: „Gegenüber der schlichten äußeren Erscheinung der Kirche ist das Innere zerrissen und unruhig.“ - eine Begründung folgte - wohl ein vernichtendes Urteil über das Kunstwerk von 1929.
So wurde im Dezember 1955 vom Sachverständigen des Kirchenbauamtes im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe ein Entwurf vorgelegt, nachdem im Laufe des Jahres 1956 die Kirche völlig neu gestaltet wurde: Die Kirche erhielt in einem Anbau einen Chor (Altarraum) und einen hiervon abgehenden Gemeinderaum. Die Kanzel musste deshalb an eine andere Stelle versetzt werden. Im Zuge dieser Baumassnahmen wurden Kanzel, Altar und Taufstein neu gestaltet und erhielten ihre heutige Form. Ein buntes bleiverglastes Altarfenster der Künstlerin Elisabeth Streich schloss den Chorraum ab.
Quelle: Kirchengemeinde Renchen
In den 1980er Jahren kam der Verbindungsbau zwischen Kirche und Pfarrhaus hinzu, in dem nun die Diensträume des Pfarrers/der Pfarrerin, das Pfarramtsbüro, eine kleine Teeküche, eine Toilette und im Kellergeschoss ein Gruppenraum und weitere Toiletten entstanden.
Quelle: Annette Wohlfeil
Eine weitere Maßnahme 1984 war die Renovierung der Kirche innen und außen. Bereits 1989 folgte eine vollständige Renovierung der Kirche von außen.
Seit 1995 schmücken die „Taufkreuz“ genannten Aquarelle des Oberkircher Künstlers Rainer Nepita an der Wand hinter dem Taufstein die Kirche.

Nach langem zögern, seitens des
Quelle: Evang. Kirchengemeinde Renchen
Kirchegemeinderates wurde 2009 der Bau einer neuen Orgel in Angriff genommen. Nach knapp 6jähriger Planungs- und Bauzeit wurde diese am 1.Advent (6.Dezember) 2015 mit einem Festgottesdienst eingeweiht.
 

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Hauptstraße 9
77871 Renchen
 
Ansprechpartner

Dagny von der Goltz

Quelle: Margrit Baumgartner/ Annette Wohlfeil
Pfarrerin
Telefon: 07843-344
E-Mail: Dagny[dot]vonderGoltz[at]kbz[dot]ekiba[dot]de